Köpenicker Straße


Hausnr. 2 (früher = Gröbenufer 2)
Auf diesem Grundstück im Besitz der Stadt Berlin, heute ein Abenteuerspielplatz und Kinderzentrum, befanden sich eine Kindertagesstätte, eine Volksschule, das Amt für Volkswohlfahrt der NSDAP und während des Zweiten Weltkriegs ein "Gemeinschaftslager" der Stadt Berlin, Abt. Straßenreinigung; 1943 beherbergte es 42 Polen und Ukrainer, 1944 noch 38 Polen.

Hausnr. 6a
Hier war die Fabrik für Radiotelefonie u. Apparatefabrik von Roland Brandt, ein "Wehrwirtschaftsbetrieb", der ausländische Zwangsarbeiter/innen beschäftigte.

Hausnr. 7a
Ebenfalls ein eingetragener "Wehrwirtschaftsbetrieb" war die hier ansässige Accumulatorenfabrik Kurt Gorschalki & Co., die ihre Zwangsarbeiter/innen 1943/44 in der Oppelner Str. 36 untergebracht hatte.

Hausnr. 10
In diesem unauffälligen Wohnhaus wohnten vier Zwangsarbeiter/innen aus Serbien bzw. Weißrussland, die bei dem schweren Bombenangriff am 3.2.1945 in der Köpenicker Str. 24a ums Leben kamen.

Hausnr. 10a
In diesem Fabrikgebäude betrieb Franz Lange, auch Eigentümer des Hauses, sein Feinmechanik- u. Elektrowerk. Bis zu 74 Russen beschäftigte er 1942/43 als Zwangsarbeiter/innen; sie mussten auch in der Fabrik wohnen, bis er 1942 in Köpenicker 12 ein Barackenlager errichten ließ.

roter PunktHausnr. 11/12
Auf diesem Gelände befand sich während des Zweiten Weltkrieges das "Ausländerlager Nr. 876" der Fa. Franz Lange, Feinmechanik- und Elektrowerk, Köpenicker Str. 10a. Die Firma war seit 1937 als Wehrwirtschaftsbetrieb eingetragen und fertigte mit etwa 390 Beschäftigten elektronisches Nachrichtengerät sowie Zubehör an. 1942 erhielt das Unternehmen 14.330 Reichsmark vom Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt, um eine Unterkunftsbaracke für Zwangsarbeiter zu errichten. Der Fertigbau vom Typ RLM 501/34 verfügte, den Richtlinen für behelfsmäßige Bauweise gemäß, über Be- und Entwässerung, Heizung, Stromversorgung sowie einen Drahtzaun. Ein Luftschutzraum oder -graben war jedoch nicht vorgesehen.
1944 lebten hier 90 Männer und Frauen aus der Ukraine auf 536 m². Damit war das Lager voll belegt.

Hausnr. 16/17
Auf diesem staatseigenen Grundstück befanden sich das Heeresverpflegungsamt und ein Lager der Fa. Siemens, über das nichts Näheres bekannt ist.

Hausnr. 20 (früher Hausnr. 18-20)
Die Berliner Färberei und Druckerei R. Wolff KG unterhielt hier an ihrem Firmensitz 1942-44 ein Lager für die bei ihr zur Arbeit verpflichteten Zwangsarbeiter/innen, hauptsächlich Sowjetrussen, aber auch Italiener, Franzosen und Belgier. 1942 und 1944 hatte es 56 bzw. 36, 1943 sogar rd. 400 Insassen.

Hausnr. 21 (Teil von Hausnrn. 21-29, Behala; gegenüber von Hausnr. 155-158)
In diesem staatseigenen Haus wohnte eine ukrainische Zwangsarbeiterin, die 1944 nach einem Sturz aus einem Fenster verstarb.

Hausnr. 24a (Teil von Hausnrn. 21-29, Behala; gegenüber von Hausnr. 152/153)
Hier, in ihrem Speicher, hatte 1944 die Behala 10 französische Zwangsarbeiter einquartiert. Im selben Gebäude produzierte die Fa. M. Voß & Co. Möbel und Turngeräte und setzte dazu 1943 acht Holländer, Polen und Ukrainer ein, die ihr Lager in der Manteuffelstr. 10 hatten. Am 3.2.1945 starben hier bei den schweren Bombenangriffen zwei Serben, die in diesem Lager wohnten, zwei Serbinnen, eine Weißrussin und ein Weißrusse, die in der Köpenicker Str. 10 ihre Unterkunft hatten, eine Ukrainerin, wohnhaft Ritterstr. 96, ein Franzose, Alexandrinenstr. 95/96, und ein Italiener, der hier, Köpenicker Str. 24a, seine Unterkunft hatte.

Hausnr. 26 (Teil von Hausnrn. 21-29, Behala; gegenüber von Hausnr. 148/149)
In diesem unauffälligen Wohnhaus soll die Dt. Asbestzement bzw. Eternit AG Zwangsarbeiter/innen beschäftigt haben.

Hausnr. 27 (Teil von Hausnrn. 21-29, Behala; gegenüber von Hausnr. 146/147)
Hier (wie auch in der Köpenicker Str. 150/51) betrieb die Fa. Nicolaus & Co. eine ihrer funktechnischen Werkstätten mit 20 jüdischen Zwangsarbeiter/innen, die meist 1942/43 deportiert wurden.

roter PunktHausnrn. 145-147
In dieser Straße gab es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 40 Rüstungsbetriebe. Einer davon war das Ernst Winkler Stanz-, Zieh- und Prägewerk auf den beiden Grundstücken Nrn. 145/147, in dem schon vor dem Krieg Munition, Flugzeugbomben, Kartuschenhülsen und Panzermaterial produziert wurden.
Ernst Arendt, der Besitzer des Werkes, plante Anfang 1942, auf dem Firmengrundstück ausländische Zwangsarbeiter unterzubringen. 1942/43 wurden vier Unterkunftsbaracken, eine Wirtschaftsbaracke und eine Sanitärbaracke für 544 Personen errichtet und ein Durchbruch zwischen den Nrn. 145 u. 147 - hinter der Nr. 146 - für einen 'Unterbringungsraum' vorgenommen. Das Lager wurde im Juni 1942 in Betrieb genommen und war 1943 mit 212 russischen Zwangsarbeitern belegt. Einer der hier untergebrachten Männer starb im Kreiskrankenhaus der Reichshauptstadt in Mahlow an Offener Lungentuberkulose. Weitere Todesfälle von hier beschäftigten Zwangsarbeitern sind nicht bekannt.
Ein weiterer hier - in der Nr. 145 - ansässiger Rüstungsbetrieb, der ausländische Zwangsarbeiter/innen beschäftigte und hier ein Zwangsarbeiterlager einrichtete, war die Apparatebaufabrik von Helmut Riedel.

Hausnr. 148/149
Auf diesem, Grundstück bestand 1941-44 das Zwangsarbeiterlager der BMW-Brandenburg Flugzeugmotoren-Werke, in dem bis zu 345 Franzosen, Belgier, Holländer und Ungarn untergebracht waren. 1943 wurde das Grundstück - Hausnr. 149 - mit einem Lager der Arbeitsgemeinschaft Eisen und Metall und einem Schulungslager des Reichministeriums für die Ostgebiete neu belegt; 1943 beherbergte es bis zu 200 Sowjetrussen, 1944 noch 59 Sowjetrussen, Litauer und Polen. Auch die Fa. Ernst Franke, Admiralstr. 18d, soll hier eine Unterkunft für Zwangsarbeiter/innen angemietet haben.

Hausnr. 150/151
Hier, wie auch in der Köpenicker Str. 27, betrieb die Fa. Nicolaus & Co. eine ihrer funktechnischen Werkstätten und setzte darin über 25 jüdische Zwangsarbeiter/innen ein, die meist 1942/43 deportiert wurden.

Hausnr. 152/153 (früher Hausnr. 152)
Hier waren ausländische Zwangsarbeiter/innen in der Kunstharzpresserei und Isolatorenfabrik "Isolan" von E. Trost beschäftigt; das dazugehörige Lager war in der Wiener Str. 12.

Hausnr. 154
Im hier bestehenden Werk II der Blaupunkt-Werke GmbH wurden erst 19 jüdische Zwangsarbeiter/innen eingesetzt, die meist 1942/43 deportiert wurden; später griff man auf ausländische Zwangsarbeiter/innen zurück.

Hausnr. 154a
In diesem Haus befanden sich die beiden Elektrotechnischen Fabriken von Erich Giese und Heinrich Stern, der die erstere Anfang der 40er Jahre übernahm. In beiden Rüstungsbetrieben wurden Zwangsarbeiter/innen eingesetzt.

Hausnr. 155-158 (Teil; früher Hausnr. 157)
Auch die hier ansässige Werkzeugfabrik von Emil Opitz, die Munition und Bomben. fabrizierte, beschäftigte Zwangsarbeiter/innen.

Hausnr. 155-158 (Teil; früher Hausnr. 158)
Der Rüstungsbetrieb "Kranol", Inh. Ferdinand Kranefeld, mit Hauptsitz in der Wrangelstr. 28 produzierte an verschiedenen Orten in Kreuzberg und anderswo chemisch-technische Erzeugnisse und setzte hier vier jüdische Zwangsarbeiter/innen ein, die 1941-43 deportiert wurden.

Hausnr. 178-180 (früher Hausnr. 177-180)
Hier bestand 1941-44 das Zwangsarbeiterlager der Fa. Brendel & Loewig (ID 04), in dem 25-66 Männer aus verschiedenen Ländern untergebracht waren. Die Fa. Joh. Kulecki, die hier belgische Zwangsarbeiter eingesetzt hben müßte, ließ sich an diesem Ort allerdings nicht nachweisen.